Chronik unserer Liebe – Wie alles begann

Manche Geschichten beginnen nicht mit einem großen Moment. Nicht mit einem Ereignis, das man sofort erkennt.

Sie beginnen leise. Mit Worten. Mit Blicken. Mit einem Gefühl, das sich nicht erklären lässt – aber bleibt.

Emma & Chris ist die Chronik einer Begegnung, die sich langsam entfaltet hat.
Ohne Plan. Ohne Erwartungen. Aber mit einer Intensität, die von Anfang an spürbar war.

Dieses Buch erzählt nicht von Perfektion. Sondern von Nähe. Von Unsicherheit. Von Vertrauen, das wächst – Satz für Satz, Tag für Tag.

Was hier begann, war mehr als eine Geschichte. Es war der Anfang von etwas, das beide nicht gesucht hatten – und doch nicht mehr losließ.


Erhältlich als:

  • Hardcover (mit Bonusmaterial)

  • Taschenbuch

  • eBook


Leseprobe


VORWORT

Eine wahre Geschichte.

Unverfälscht. Ungeschönt. Unvergessen.

Dies ist eine Geschichte, getragen von Momenten, die zu bedeutend waren, um erfunden zu sein. Keine Zeile entspringt bloßer Fantasie, kein Gefühl ist konstruiert.
Was du in diesem Buch liest, ist so geschehen: leise, intensiv, manchmal schmerzhaft ehrlich, oft schöner, als Worte es erfassen können.

Zum Schutz aller Beteiligten wurden Namen und einzelne Details behutsam verändert. Der Kern jedoch blieb unberührt. Die Gefühle, die Entscheidungen, das Zögern und das Hoffen sind echt.

Dieses Buch richtet sich an Menschen, die die Liebe vielleicht schon einmal aufgegeben haben. An jene, die glauben, ihre Zeit dafür sei vorbei, oder dass das, wonach sie sich sehnen, nicht mehr zu ihnen zurückfinden kann. An Menschen, die Verantwortung tragen, müde geworden sind. An jene, die dennoch spüren, dass etwas in ihnen lebt, das sich nicht endgültig verschließen will.

Emma, Mitte vierzig, trug eine stille, tiefe Wärme in sich. Sie hatte gelernt zu funktionieren, zu halten, zu tragen. Dabei vergaß sie oft, was sie selbst brauchte. In ihr lebte eine Sehnsucht nach Nähe, die nicht erklärt, sondern verstanden werden wollte.

Chris, Ende vierzig und seit vielen Jahren alleinerziehender Vater, war ein Mann, den das Leben geprägt hatte, ohne ihn zu verhärten. Verantwortung hatte ihn vorsichtig gemacht,
doch seine Fähigkeit zu lieben war geblieben: ehrlich, tief und ohne Spiel.

Beide hatten Mauern errichtet, nicht aus Kälte, sondern aus Erfahrung. Und doch genügte ein einziger Moment zur richtigen Zeit, um etwas in Bewegung zu setzen,
das sich nicht mehr aufhalten ließ.

Band 1 erzählt von ihrem Anfang: vom ersten Schreiben, vom vorsichtigen Vertrauen, vom leisen „Vielleicht“.

Dies ist die Wahrheit ihres Anfangs.
Manchmal braucht es nur einen Abend, damit ein ganzes Leben wieder atmen kann.
Vielleicht ist es auch eine Erinnerung daran, dass Liebe uns manchmal genau dann findet, wenn wir aufgehört haben, nach ihr zu suchen.

Emma & Chris ist als transmediale Chronik angelegt.
Zu einzelnen Momenten dieser Geschichte sind Songs entstanden. Sie wiederholen die Handlung nicht.
Sie machen das hörbar, was zwischen den Zeilen spürbar wird.
Wer diese Geschichte auch auf weiteren Ebenen erleben möchte, findet ergänzende Inhalte auf der Website.


Kapitel 1

Der 4. Februar 2018 war einer jener stillen Wintertage, an denen die Welt wirkt, als hätte jemand den Ton heruntergedreht, als würden selbst die Geräusche nur noch gedämpft durch den Raum dringen. Das Licht vor Emmas Fenstern war müde, grau wie abgelegte Gedanken, die Luft trug jene besondere Ruhe in sich, die entsteht, wenn nichts Dringendes getan werden muss, außer einfach da zu sein und zu atmen.

Emma saß auf ihrer grauen Eckcouch, die sich wie ein vertrauter Hafen um sie schloss, eingekuschelt in ihren übergroßen Hoody, schwarze Leggings, dicke Wollsocken an den Füßen. Es war kurz nach neun, ein Morgen ohne Eile, an dem sie sich erlaubte, einfach sitzen zu bleiben und nichts von sich zu verlangen.

Emmas Handy spielte ihre ruhige Playlist, diese Mischung aus Gitarren, Pianos und Violinen, leisen Stimmen und Texten, die von Liebe sangen, nicht laut, nicht heroisch, sondern so, wie Emma selbst liebte: warm, tief, ehrlich. Es war die Musik, die sie wählte, wenn sie die Stärke ablegen durfte, die sie sonst im Alltag trug wie eine Rüstung. Die Stärke einer Frau, die seit Jahren Verantwortung trug, arbeitete, organisierte, hielt und dabei oft vergaß, sich selbst festzuhalten.

Ihr Blick glitt über den Balkon, an dem die kalte Luft die Pflanzen zum Schweigen gebracht hatte. Der Himmel hing schwer über der Stadt, Emma ließ die Gedanken treiben, dorthin, wo die leise Sehnsucht lag, von der sie niemandem erzählte. In den Regalen über ihr standen Fotos, kleine Lampen, Erinnerungen in Rahmen. Die Tierzeichnungen in Glas hinter ihr an der Wand wirkten, als würden sie sie beobachten, als warteten sie darauf, dass etwas Neues beginnt. Vielleicht warteten sie mit ihr.

Die Heizung klackerte, irgendwo im Haus fiel eine Tür ins Schloss, eine vertraute Geräuschkulisse des alten Mehrfamilienhauses. In ihrer Hand lag das Handy, auf dem Display: Lovoo. Eine Dating-App, die sich für sie längst nicht mehr nach Möglichkeit, sondern nach Müdigkeit anfühlte. Zu viele belanglose Nachrichten, zu viele plumpe Fragen, zu viele unaufgeforderte Bilder, die sie nie hatte sehen wollen. Männer, die behaupteten, sie suchten etwas Echtes, nur um im nächsten Satz zu fragen, ob sie allein sei oder intime Bilder schicken würde. Fragen, die nichts wollten außer etwas von ihr und nichts mit ihr zu tun hatten.

Dabei war ihr Wunsch so schlicht und gleichzeitig so groß: Sie wollte jemanden, mit dem sie über alles reden konnte. Einen Freund. Einen Liebhaber. Einen Mann, der ihr zuhört, sie berührt, nicht nur mit den Händen, sondern mit seinen Worten. Jemand mit Herz, Tiefe und Seele. Aber sicher nicht auf Lovoo, dachte sie, seufzte und öffnete die Einstellungen. Es war genug. Sie wollte ihren Account löschen.

In diesem Moment vibrierte ihr Handy. Nicht Lovoo. Nicht irgendein belangloses Match. Kerstin, ihre beste Freundin seit der Schulzeit. Die Frau, mit der sie alles teilte und die ihr stets die Wahrheit sagte, selbst dann, wenn sie wehtat.

Ihre Freundschaft hatte sich damals im Sportunterricht gefestigt, an jenem Tag, an dem Kerstin ungewollt daran beteiligt gewesen war, dass Emma ihren Schneidezahn verlor. Ein Moment, der sich zu einer Freundschaft verwoben hatte, die bis heute hielt wie eine heimliche Lebensader.

Emma hatte ihr vor einer Stunde eine kurze Nachricht geschickt, nur einen einzigen Satz, aber er war ehrlich gewesen. Sie hatte Kerstin geschrieben, dass heute nicht ihr Tag sei. Kurz darauf leuchtete Kerstins Antwort auf. Sie solle sich hinsetzen und warten, bis der Tag vorüber sei, schrieb sie, einen lachenden Smiley hinterher.

Trotz der Müdigkeit musste Emma leise lachen. Kerstin war diejenige, die selbst an grauen Tagen ein kleines Licht in ihr anzünden konnte. Aber heute fühlte sich die Welt schwerer an, so schwer, dass selbst eine Aufmunterung nicht reichte, um den Knoten in ihrer Brust zu lösen. Sie ließ das Handy sinken, atmete aus und tippte wieder auf den Bildschirm, zurück zur Lovoo-App, zur Löschung und zum endgültigen Abschluss.

Doch alles erreichte sie wie durch Watte, als wäre jemand zwischen sie und die Welt getreten, nicht, um sie abzuschirmen, sondern um ihr Raum zu geben. Raum, den sie brauchte. Raum, den sie sich selten nahm.

Wieder erschien eine Nachricht. Emma schloss die Augen und atmete genervt aus. Für einen Moment dachte sie, es sei nur eine weitere belanglose Benachrichtigung der App, doch erneut war es Kerstin. Sie wollte wissen, ob Emma den Account nun endlich gelöscht habe. Emma presste die Lippen zusammen und antwortete zögernd, dass sie noch überlegte. Die Reaktion ließ keine Sekunde auf sich warten. Kerstin schrieb ihr, sie sei viel zu gut für diesen Müll und solle es beenden.

So redete Kerstin immer, ehrlich und direkt, ohne den weichgezeichneten Trost, den andere Menschen gern anboten. Emma wusste, dass sie recht hatte. Vielleicht tat die Ehrlichkeit gerade deshalb ein wenig weh. Sie atmete tief durch, hob das Handy wieder an und sah auf den Bildschirm. Ihr Daumen schwebte über dem Button. Ein Wisch, ein Klick, all das würde verschwinden: die Nachrichten, die Profile, die kleinen Hoffnungen, die sich jedes Mal leise aufgebaut hatten, nur um wieder zu zerbrechen. Ein kurzer Moment Stille breitete sich in ihr aus.

In genau diesem Moment vibrierte ihr Handy. Eine neue Nachricht. Ein Match. Emma räusperte sich leise, mehr aus Gewohnheit als aus wirklicher Reaktion. Sie wollte eigentlich nur löschen, abschließen, weitergehen. Doch dann sah sie das Bild. Kein posierender Macho, kein übertriebenes Grinsen. Ein Mann mit ruhigem Blick, braunen Augen, die nicht durch sie hindurch, sondern in sie hineinzusehen schienen. Ein Gesicht, auf dem ein leises, echtes Lächeln lag, als würde er gerade einen Gedanken denken, von dem man gern wüsste, welcher es ist. Der Name unter dem Bild: Chris.

In ihr regte sich etwas. Kein Blitz, kein Feuersturm, eher ein sanftes inneres Hm, ein kaum wahrnehmbares Kippen ihres Bauchgefühls. Sie sagte sich, dass sie ja nur kurz schauen könne und jederzeit noch löschen würde.

Sie tippte auf sein Profil. Und in genau diesem Moment poppte seine Nachricht auf.

„Hallo Emma, dein Profil und deine Fotos gefallen mir sehr. Du scheinst ein interessanter und vielschichtiger Mensch zu sein. Darüber hinaus hast du eine wunderschöne Ausstrahlung mit einem besonderen Blick. Sehr gerne würde ich dich näher kennenlernen und mehr über dich erfahren. Melde dich einfach, wenn du Zeit und Lust hast.
Liebe Grüße
Chris.“

Emma blinzelte, einmal, dann noch einmal, als müsste sie sicherstellen, dass sie sich nicht verlesen hatte. Keine dummen Sprüche, keine Forderung nach Fotos, keine doppeldeutigen Anspielungen. Nur ein paar Sätze, die klangen, als hätte er sie gesehen, nicht nur ihren Körper oder ihr Lächeln, sondern etwas dahinter. Sie spürte, wie sich etwas in ihrer Brust löste, ein kleiner Muskel, der sich seit Monaten angespannt hatte, gab nach. Ihr Herz klopfte nicht heftig, aber bewusst.

Sie antwortete schneller, als sie selbst von sich gewohnt war, bedankte sich für seine Nachricht und fragte, was er denn von ihr wissen wolle. Danach legte sie das Handy kurz auf ihre Wolldecke und atmete tief ein. Diese Antwort war leicht gewesen, so leicht, wie es sonst selten war. Es fühlte sich nicht an wie Online-Dating, sondern wie ein zufälliges Gespräch, das sich mit jeder Sekunde richtiger anfühlte.

Nur wenige Sekunden später vibrierte das Handy erneut. Chris schrieb ihr, dass ihn alles interessiere, was nicht in ihrem Profil zu finden sei. Emma las den Satz zweimal. Er war so einfach und doch so intim. Sie spürte, wie sich ihre Schultern entspannten, wie sich ihr Brustkorb weitete, als hätte jemand eine längst verschlossene Tür geöffnet.

Am anderen Ende der Stadt saß Chris auf seiner Couch. Vor ihm stand eine kleine Tasse Espresso, längst kalt geworden. Er hatte sie geholt und sofort vergessen. Er starrte auf das Display, auf ihr Bild, auf ihren Namen. Er wusste nicht, warum ihn diese Frau so traf. Er kannte Emma nicht, noch nicht, aber in ihrem Gesicht lag etwas, das ihm vertraut vorkam. Eine Wärme in ihrem Lächeln, eine leichte Zurückhaltung in ihren Augen, als würde sie viel fühlen, aber nur wenig zeigen.

Noch bevor sie antworten konnte, tippte er eine weitere Nachricht und fragte sie, wie ihr Tag gewesen sei.

Und dann saß er da, das Handy in der Hand, den Blick auf den Bildschirm gerichtet, erwartete nichts. Er war es gewohnt, dass Gespräche versandeten. Doch als ihre Antwort erschien, traf sie ihn direkt. Nicht, weil sie lang war, sondern weil sie ehrlich war. Sie schrieb von ihrem Morgen in der Wohnung, von der Müdigkeit, von der App, die sie eigentlich löschen wollte, von Männern, die sie nicht sahen, sondern nur etwas von ihr wollten. Von ihrer Sehnsucht nach etwas Echtem.

Chris las jede Zeile langsam und ließ jedes Wort in sich einsinken. Er atmete tief durch und schrieb ihr, dass er froh sei, dass sie es nicht getan habe, auch wenn sie sich noch nicht kannten. Manchmal, erklärte er, gehe das Schicksal merkwürdige Wege, gerade in dem Moment, in dem man aufgeben oder vor etwas davonlaufen wolle.

Emma las diese Nachricht ein zweites Mal. Die Worte fühlten sich nicht nach einem Spruch an, nicht nach Copy & Paste. Sie wirkten, als kämen sie aus einem echten Menschen. Unter ihrer Haut breiteten sie sich aus wie ein leises Aufglühen, ein vorsichtiges inneres Flüstern: vielleicht.

Sie schrieben weiter, zunächst über Alltägliches, über Musik, Serien, Essen, kleine Rituale. Emma wollte wissen, welche Musik er hörte. Chris erzählte ihr von den Charts, von den Achtzigern und von FFN, nannte sein Lieblingslied von Fever Ray und erwähnte, dass er auch Philipp Poisel mochte.

Emma lachte, als sie antwortete, schrieb, dass sie zurzeit gern deutsche Hits höre, ebenso Tracy Chapman, außerdem alte Schlager von früher, Westernhagen, Grönemeyer, dass sie gern tanze. Chris grinste vor seinem Display. Der Gedanke, dass sie gern tanzte, blieb hängen. Er sah sie vor sich, lachend, sich zur Musik bewegend, vielleicht mit geschlossenen Augen, ganz bei sich, völlig in ihrem Element.

Die Zeit verrann unbemerkt. Minuten verloren ihre Bedeutung, eine Stunde ging in die nächste über, ohne dass einer von beiden es wirklich wahrnahm. Sie sprachen über Arbeit, über ihren Alltag, über Müdigkeit, über kleine Momente, die sonst niemand ernst nahm. Und genau das war es, was sich so besonders anfühlte: Sie redeten über Dinge, die klein wirkten und plötzlich Bedeutung bekamen.

Gegen Mittag mussten sie abbrechen. Emma schrieb, sie müsse ihre Wäsche aus dem Trockner holen und noch bügeln. Chris wiederum musste sich um die Kinder kümmern und kochen. Sie verabschiedeten sich gegen 12:15 Uhr, beide mit dem seltsamen Gefühl, dass der Tag gerade erst angefangen hatte, obwohl sie schon so viel voneinander gelesen und erste Gemeinsamkeiten entdeckt hatten.

Etwa eine Stunde später vibrierte Chris’ Handy. Er sah auf das Display: eine neue Nachricht von Emma. Kein Text, nur ein Kuss-Smiley. Er lächelte. Es war nichts und gleichzeitig alles. Ohne nachzudenken sendete er denselben Smiley zurück, wie ein kleines, stummes Versprechen, dass dieses Gespräch nicht enden würde.

Am frühen Nachmittag setzte sich Chris wieder aufs Sofa, das Handy in der Hand, schrieb Emma erneut. Diesmal wurde er noch persönlicher. Er schrieb ihr eine lange Liste, Wissenswertes über mich, erzählte von seiner Lieblingsfarbe, von Büchern und Filmen, die ihm etwas bedeuteten, von Orten, an denen er gelebt hatte, von Wegen, die ihn zu dem Mann gemacht hatten, der er jetzt war. Kaum hatte er die Nachricht abgeschickt, meldete sich ein leiser Zweifel: War das zu viel? Zu ehrlich?

Doch Emma antwortete begeistert. Sie mochte diese Offenheit. Sie schickte ihm im Gegenzug ihre eigenen Wissenswertes über mich Momente: Lieblingssongs, Filme, kleine Marotten, Orte, an denen sie sich zuhause fühlte, solche, von denen sie träumte. Sie lachten und tauschten Geschichten. Zwischen den Zeilen passierte etwas, das beide spürten, aber keiner aussprach: Sie begannen, einander wirklich kennenzulernen.

Später tauschten sie Fotos. Urlaubsbilder, Familienfeste, Schnappschüsse voller Lachen. Er sah sie in verschiedenen Momenten, mit unterschiedlichen Hintergründen, aber stets mit diesem warmen Lächeln, das ihn traf. Sie wiederum mochte seinen Blick, seine Art, auf Bildern nicht zu posen, sondern einfach da zu sein. Nichts davon war erotisch, doch wuchs zwischen den Bildern und den Worten eine Spannung, zart und leise, aber spürbar. Chris bemerkte, wie sehr ihm ihre Antworten gefielen, sein Herz reagierte auf das Vibrieren des Handys wie auf einen vertrauten Rhythmus. Emma wiederum ertappte sich dabei, wie sie jedes Mal lächelte, wenn sein Name auf dem Display erschien.

Emma hatte den Chat mit Chris gerade erst gelesen, seine warmen, aufrichtigen Worte, dieses überraschend tiefe Interesse an ihr. Dann schrieb sie Kerstin und schickte ihr die Nachrichten von Chris, weil Kerstin die Einzige war, die ihr Herz lesen konnte wie ein offenes Buch. Während Emma noch in Gedanken bei Chris war, vibrierte das Handy schon wieder. Kerstin hatte ihre Nachrichten an Chris gelesen, jede einzelne und reagierte sofort begeistert, mit dieser unverwechselbaren Mischung aus Humor und Klartext.

Emma musste leise lachen, auch wenn die Unsicherheit blieb. Sie erklärte Kerstin, dass Chris sie treffen wolle, nur kurz, nur für ein paar Minuten, dreißig Sekunden würden ausreichen, wie er es selbst formuliert hatte. Sie erzählte ihr, dass sie eigentlich früh schlafen wollte und zögerte, ob sie für einen fremden Mann noch einmal ins Auto steigen sollte.

Kerstin ließ nicht locker. Ihre Antworten kamen schnell, beinahe so, als säße sie direkt neben ihr. Sie fragte, ob Emma sich diese dreißig Sekunden wirklich nicht nehmen wolle, meinte, schlafen könne sie später noch. Kerstin erinnerte sie daran, dass es schließlich nur eine halbe Minute sei, stellte schließlich die Frage, ob Emma riskieren wolle zu warten und ihn womöglich zu verlieren.

Emma verdrehte die Augen, schrieb, dass es erfahrungsgemäß nie bei dreißig Sekunden bleiben würde und dass sie müde sei. Doch Kerstin blieb hartnäckig, betonte noch einmal, wie nett Chris geschrieben habe und dass er sie wirklich nur kurz sehen wolle. Emma spürte ein Ziehen im Bauch, eine Mischung aus Aufregung und diesem leisen Flattern einer Ahnung. Sie gab Kerstin schließlich recht und schrieb, dass er wirklich anders sei.

Und in diesem Moment kippte etwas in ihr.

Sie schickte Kerstin ihre Entwürfe, zeigte ihr, was sie Chris schreiben wollte. Kerstin kommentierte alles, lachte, schickte Herzen und Feuer-Emojis und feuerte sie an wie nur eine beste Freundin es konnte, als wüsste sie längst, dass dieser Abend ein Wendepunkt werden würde. Emma schrieb Kerstin schließlich Uhrzeit und Ort und kündigte an, dass sie es jetzt abschicken würde. Kerstin reagierte sofort begeistert, bestärkte sie darin, erinnerte sie daran, dass sie selbst bestimmen würde, wann sie wieder ging und bat sie eindringlich, sich später wirklich zu melden.

Emma lächelte, holte tief Luft und schrieb Chris, ob er sich am Abend mit ihr treffen wolle, um 19:30 Uhr in der Bar im N8. Kaum war die Nachricht eingetippt, vibrierte ihr Handy erneut. Kerstin schrieb ihr, sie solle auf sich aufpassen und sich melden, sobald sie wieder zu Hause sei.

Emma schloss kurz die Augen. Ihr Herz klopfte. Es war nur ein kurzes Treffen und gleichzeitig vielleicht der Anfang von allem. Sie tippte auf Senden und fühlte, wie ihre Hände warm wurden. Dann legte sie das Handy auf ihre Brust, umschloss es mit beiden Händen und ließ ein leises Lächeln zu. Ihr Herz schlug schneller, aber nicht aus Angst, sondern aus Vorfreude.

Als Chris diese Nachricht öffnete, stockte ihm der Atem. Sein erster klarer Gedanke war, dass sie ihn wirklich sehen wollte, der zweite, was wäre, wenn sie es sich anders überlegte. Nervosität schoss durch ihn, Fragen überschlugen sich. Was, wenn sie enttäuscht wäre? Was, wenn es merkwürdig würde?

Er sah noch einmal ihr Profilbild an, dieses Lächeln, diese Augen, atmete tief ein und schrieb zurück, dass er sich sehr darauf freue, sie persönlich kennenzulernen.

Während er auf Senden tippte, wusste er, dass dies kein x-beliebiges Date war, sondern ein Moment, in dem das Leben ganz leise seine Richtung änderte.

Emma sah seine Antwort, in ihr breitete sich ein warmes, erwartungsvolles Kribbeln aus, das bis in ihre Fingerspitzen zog. Sie stellte sich vor, wie er wohl riechen würde, wie sich seine Umarmung anfühlen könnte, wie seine Stimme klänge, wenn sie nicht durch Buchstaben, sondern direkt in ihrer Nähe sprach. Sie wusste, dass sie ihm heute Abend zum ersten Mal in die Augen sehen würde.

Es war nur ein Sonntag im Februar. Und doch fühlte es sich an wie der Beginn von etwas Großem, voller Sehnsucht, voller leiser Erotik, voller gespannter, süßer Erwartung.

Ihr erstes Treffen im N8 wartete bereits auf sie.

 


Der Anfang einer Chronik

Jede große Geschichte hat einen leisen Beginn.

Dieses Video zeigt mehr als nur die ersten zwei Tage von Emma und Chris.
Es zeigt die Zeit davor. Die Abende allein. Die Gedanken, die niemand hört.
Die Leere zwischen Pflichtgefühl und Sehnsucht.
Was zwischen ihnen wächst, geschieht nicht laut.
Es entsteht in Blicken, in Pausen, in der Entscheidung, sich noch einmal zu öffnen.

Und mündet in den ersten Kuss –
den Moment, in dem aus Begegnung Geschichte wird.