Viele Jahre bestand Emmas Leben aus Verantwortung,
Alltag und dem Versuch, für alle da zu sein.
Dann begann sie mit Chris zu schreiben.
Aus einzelnen Nachrichten wurden lange Gespräche.
Aus vorsichtiger Neugier wurde Vertrauen.
Und aus zwei Menschen mit Vergangenheit langsam etwas,
womit Emma längst nicht mehr gerechnet hatte:
Nähe, die sich nicht schwer anfühlte.
Chris hatte längst aufgehört, nach etwas Besonderem zu suchen.
Nach einer langen Ehe, Verantwortung als alleinerziehender
Vater
und vielen Jahren des Funktionierens glaubte er eher an
Verlässlichkeit
als an große Gefühle.
Dann schrieb ihm Emma.
Aus Gesprächen wurden Nächte voller Nachrichten.
Aus Vertrautheit entstand Nähe.
Und aus zwei Menschen mit Vergangenheit langsam etwas,
das sich plötzlich wieder nach Zukunft anfühlte.
An diesem Sonntag wollte Emma eigentlich abschließen.
Lovoo löschen. Den Tag hinter sich bringen. Nicht mehr
hoffen,
nicht mehr warten, nicht noch einmal glauben,
dass zwischen belanglosen Nachrichten etwas Echtes auftauchen
könnte.
Dann schrieb Chris.
Aus einer ersten Nachricht wurde ein ganzer Tag voller
Worte.
Sie schrieben über Musik, Alltag, Müdigkeit, kleine
Eigenheiten
und über das, was nicht in einem Profil steht. Irgendwann waren
es
keine fremden Nachrichten mehr. Es wurde ein Gespräch, das
sich
erstaunlich leicht anfühlte.
Am Abend ließ Emma sich von Kerstin überreden,
ihn doch noch zu treffen.
Um 19:30 Uhr stand Chris vor dem N8 und sah,
wie Emma von ihrem Parkplatz über den Zebrastreifen auf ihn
zukam.
In diesem Moment wurde aus Schreiben Wirklichkeit.
